Terroranschläge in Brüssel: Krisenzentrum korrigiert die Zahl der Opfer

People gather on Place de la Bourse square in Brussels to pay tribute to the victims of the Brussels terror attacks, on March 25, 2016. 
Grieving Belgians were holding prayers in the rain in a central Brussels square carpeted with flowers and tributes to the 31 killed and 300 injured by the airport and metro suicide blasts on March 22. The Belgian government faces heavy criticism over how the Brussels attackers slipped through the net, with three of them known to police and said to have links to the November Paris attacks in which 130 people died. / AFP PHOTO / BELGA / Aurore Belot / Belgium OUT

Belgien scheint mit der Aufarbeitung der Terroranschläge von Brüsselüberfordert. Neben mehreren Ermittlungspannen wirft nun auch die Informationspolitik der belgischen Behörden zunehmend Fragen auf. Das nationale Krisenzentrum korrigierte die Zahl der an dem Tatort geborgenen Toten von 31 auf 34 nach oben. Zudem wies ein Sprecher überraschend darauf hin, dass die Opferzahl noch höher sei, weil weitere durch die Anschläge schwer verletzte Menschen in Krankenhäusern verstorben seien. Ein zuverlässige Angabe zu der bisherigen Opferbilanz konnte er nicht machen.

Hintergrund der schlechten Informationspolitik ist ein Behördenchaos. Für die Auflistung der in den Krankenhäusern verstorbenen Opfer sei das Gesundheitsministerium und nicht das Krisenzentrum zuständig. „Der Informationsfluss braucht Zeit“, sagte der Sprecher des Krisenzentrums.

Ein Teil der seit Dienstag in den Krankenhäusern Verstorbenen sei noch nicht identifiziert. Neben Belgiern kamen Menschen mit amerikanischer, niederländischer, schwedischer, deutscher, französischer, chinesischer, italienischer und britischer Staatsangehörigkeit ums Leben. Nach früheren Angaben der Behörden kommen die Toten und Verletzten aus etwa vierzig Ländern.

Bürgermeister kritisiert die Polizei

Auch die Randale Hunderter, teils rechtsradikaler Hooligans auf dem Brüsseler Börsenplatz sorgt für weiteren politischen Ärger.

Bürgermeister Yvan Mayeur erhob am Abend im Sender RTL schwere Vorwürfe. Die Sicherheitsbehörden hätten ihn bereits am Vortag vor „400 Verrückten“ gewarnt, die nach Brüssel kommen wollten. Er beschwerte sich darüber, dass die Polizei des Ortes Vilvoorde nördlich von Brüssel die Hooligans nicht aufgehalten habe. Über Vilvoorde war der Großteil der Unruhestifter überwiegend aus Antwerpen angereist. Auch dem Innenminister Jan Jambon warf Mayeur Nachlässigkeit vor.

Etwa 400 Hooligans hatten dort am Sonntagnachmittag eine friedliche Gedenkveranstaltung für die Opfer der Terroranschläge gestört, zu denen sich die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) bekannt hatte.

Die Hooligans hatten unter anderem „Alle gemeinsam gegen den Islamischen Staat“ skandiert. Medien berichteten zudem von ausländerfeindlichen Slogans und vereinzelten Hitlergrüßen.

Belgien ist zerrissen

In den Vorwürfen Mayeurs spiegelt sich die Zerrissenheit Belgiens mit seinem französischsprachigen Süden (Wallonie) und dem niederländisch sprechenden Norden (Flandern). Der Brüsseler Bürgermeister ist französischsprachiger Sozialist.

Zwar verurteilten die flämischen Christdemokraten, Liberalen, Grünen und Sozialisten die Vorfälle am Börsenplatz in einer Stellungnahme. Der Antwerpener Bürgermeister Bart De Wever verzichtete aber ausdrücklich auf eine Distanzierung. De Wever ist Vorsitzender der flämischen Nationalisten-Partei N-VA von Innenminister Jambon.

Der sozialistische Bürgermeister von Vilvoorde, Hans Bonte, hatte zuvor erklärt, er habe den Mob bewusst passieren lassen, um „zu viel Frust“ zu vermeiden. „In Abstimmung mit der Polizei und dem Sicherheitsdienst Securail haben wir entschieden, sie den Zug nehmen zu lassen.“ Dies sei unter Aufsicht der Vilvoorder Polizei und in Abstimmung mit den Brüsseler Behörden geschehen.

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