Anschlagspläne in Deutschland: Syrer feiern Festnahme des Terrorverdächtigen

Der Syrer Monis Bukhari ist so etwas wie der Cheflobbyist der syrischen Flüchtlinge in Deutschland, er leitet eine wichtige Facebook-Gruppe, gibt Hilfestellungen und vermittelt.

An diesem Montag, als die Meldung kam, dass syrische Flüchtlinge in Leipzig dafür gesorgt hatten, dass dermutmaßliche Terrorist Jaber al-Bakr festgenommenwerden konnte, klang Bukhari in einem Post auf seiner Facebook-Seite sehr zufrieden. Genauso müssten es Syrer in Deutschland machen, den Behörden bei der Sicherheit helfen, schrieb Bukhari sinngemäß.

Auch andere syrische Flüchtlinge begrüßen die Festnahme des Terrorverdächtigen. Sie feiern ihre Landsleute, die den Gesuchten überwältigt, gefesselt und der Polizei übergeben haben. Die drei Syrer von Leipzig haben quasi den Beweis angetreten, dass die Neuankömmlinge sich aktiv für Deutschland einsetzen – dafür sind ihnen viele Flüchtlinge dankbar.

Auf der Facebook-Seite „German Lifestyle GLS“ heißt es: „Tolle Nachricht!! Die Polizei hat den verdächtigen Syrer (Jaber al-Bakr) festgenommen“. Und dann weiter: „Wir bedanken uns ganz herzlich bei der Polizei und bei unserem Landsmann. Wir sind von dem Krieg geflohen und wissen ganz genau, was es bedeutet, in einer unsicheren Lage zu leben“.

Die „Berliner Morgenpost“ zitiert in einem Report aus Leipzig mehrere Syrer aus Leipzig. Helden seien die Männer, die al-Bakr festgehalten haben, sagt einer. „Jeder sollte in so einer Situation auch so handeln.“

Al-Bakr hatte, nachdem er am Samstag in Chemnitz der Polizei entkommen war, in einem Online-Netzwerk für syrische Flüchtlinge nach einem Schlafplatz in Leipzig gesucht. Die drei Männer hatten das laut „Bild“ gesehen und waren zum Hauptbahnhof gefahren, um ihn abzuholen – ohne zu wissen, um wen es sich handelte. Erst später sahen sie den Fahndungsaufruf der Polizei zu al-Bakr – nach Bericht der „Bild“ auf einer Facebook-Seite.

Auf Facebook-Seiten, mit denen sich Syrer in Deutschland vernetzen, seien mehrere Fahndungsaufrufe kursiert, berichtet die „Welt“. Mit Foto und Täterbeschreibung und der Durchwahl der Polizei, bei der man sich doch bitte umgehend melden solle, sobald man den Verdächtigen gesichtet habe.

Auch die Seite der Syrischen Gemeinde in Deutschland, eine Art privat betriebenes Nachrichtenportal mit hoher Reichweite, habe den Aufruf zur Fahndung nach Jaber al-Bakr geteilt, inklusive Details zu seiner syrischen Heimatstadt, heißt es in dem Bericht. Journalisten aus einem syrischen Anti-IS-Netzwerk haben demnach ebenfalls einen Aufruf geteilt und damit mehrere Tausend Syrer in Deutschland erreicht.

Laut „Bild“ spielte der Austausch unter Syrern in Deutschland über die sozialen Netzwerke auch eine Rolle dabei, dass die drei Männer in Leipzig sich entschieden, Jaber al-Bakr zu fesseln. Als der am Sonntagabend in der Leipziger Wohnung zu Bett gegangen sei, diskutieren zwei der Syrer mit anderen Syrern auf Facebook, ob er gesuchte Terrorist sei. „Als sie keinen Zweifel mehr haben, fesseln sie ihn mit Verlängerungskabeln“, heißt es in dem Bericht.

Jaber al-Bakr, der in Deutschland vor mehr als einem Jahr als Flüchtling anerkannt wurde, war am Montag in Leipzig gefasst worden. Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes plante er offenbar einen Anschlag auf den Berliner Flughafen. Kanzlerin Angela Merkel dankte dem Syrer, dessen Hinweis zur Festnahme geführt habe. Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich lobte ihn als „mutigen und verantwortungsbewussten“ Mitbürger.

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